mein ganzer mensch

mein ganzer mensch sehnt sich
nach deinem hellen auge
das ich einmal so geliebt

verdunkelt ist die sonnenwabe
und es ist nichts
als nacht

du mußt sein in einem land
mit deinen schweren bitteren träumen
ein land
das ich nicht betreten kann

dunkel
da trinkst du vergessen

ich lege meine hände
ineinander
und flehe

dein dunkles auge
du wartest auf licht


mein weißes haus

mein weißes haus
hat offene türen
in meinem gesegneten garten

was flügel hat summt
herein und das glück ist
ein taumelnder falter

weißer wind läßt
eine feder schweben
für einen augenblick

es biegen sich halme
es strecken sich wurzeln
ins wasser

es wölbt sich ein spiegel
ein zitternder tropfen
im blatt

kräutlein und schellen
beginnen den reigen
laden das wolkenband einen

zur nacht wird saturn nicht kommen
nicht ausschütten asche
über mein werk

dieser gestrenge lehrer

zur nacht verhülle ich
venus alles mit
samtblauem tuch


herzruf

wer bist du

etwas ist in dich gelegt
das ist gottesgestaltig

besteige einen berg oder geh in die endlose ebene
wer kann in den wolken sein antlitz finden

auch du gehst in gestundeter zeit
auf  brücken
die hinter dir brechen

wo hast du deine träume verborgen
und die erde wartet
wartet auf deine taten

die zeit ist gekommen
zerschlage die dunklen spiegel

gib dich vollends in andere sterbliche hände

gib dich hin
aber ganz
deiner ahnung

etwas ist in dich gelegt
das ist gottesgestaltig

das will in das wort :
MENSCH
hinein wachsen

schöpfer und schöpfung sind eins
am ersten morgen der welt

die geister der zeit sind deine väter
sie spannen das netz

also spring


experiment

experiment

keine sicht
ich will nicht
warum denn auch
denn
die liebe
spricht nicht zu mir

nirgends kann ich rasten

wo ist das licht

wie gelange ich
dahin
wo die leuchtfeuer brennen


für immer verändert

weiches licht weitet mich
und hüllt ein
meinen
friedenshort

das tal atmend am abend
stille
alles erwartet die nacht

so wir aus liebe schaffen,
sind wir für immer verändert.


requiem

requiem

schmerzklang
schneidet in mein herz

blut wallt
pocht nicht mehr
schäumt nicht mehr

walzertakt
geronnen


mit vollen händen

mit vollen händen
schenkst du
deinen sommer
mir
wir teilen
am grunde des kelches
funkelnd den rest


satt von dir

satt von dir
gestillt hunger
und durst

ruhig als kleiner
vogel im nest
oder
im muschelrund
pocht dein herz

mich in den schlaf


es ist nacht

es ist nacht
soll ich mich aufmachen
auf die berge gehen
und mir ein feuer holen
vom großen wagen

 

soll ich aus
meiner kehle den brennenden schrei
entlassen
diesen schrei
der schon lange alles versengen will
und die dämonen verbrennen

ich klage über milionen

die dunkeln generationen
haben uns gezeugt
in einem unbedachten zufall

eine alte hebamme
mit runziger haut hat uns
aus dem schoß gezogen
und wir haben es nicht gewollt

und als antwort auf das warme wasser
das süße wasser
in dem wir von anbeginn trieben,
als antowrt darauf
lagen wir in kalten weißen laken
in einem dunklen nebenraum
eben noch geboren

tot

die lungen voll blutender luft


wenn ich erwache

wenn ich erwache
dämmern die dinge
in mir

das schöne schläft erschüttert
es hat sich selbst
geblendet

seltsam spielt der spiegel mit mir
fremde himmelaugen
wie türme
die bäume wachsen sich wund

regensatte wolken ermüden
und der stern auf meiner brust
er will nicht brennen

 

ich warte auf deinen spruch
benenne die dinge
als gut

hauche totem leben ein
und gib dem müden spiegel
dein bild
und er sonnt sich in dir

wo du gehst
singt die erde zurück
und
summt

wolken wachen
und bauschen gebilde
wie du und das licht

alles wacht auf
deine grundgütige hand
hält mein zitterndes wesen


sprachlos gleiten wir

sprachlos gleiten wir
durch die räume
stumm

die zeit kennt die form
oder auch
nicht

nichts nennbares ist
in uns

alles je gesagte
sinkt wieder
ins all

wie
jene stille
an deinem herzen


mein herz als den anker

in stunden von chaos
schlangen skorpionen
und dornen
als dein mut sank
du ertrankst
bin ich gekommen
hoffnung zu bringen
nicht schmerz

du musst sterben und wieder leben

ich bin gekommen
nackt  und weiß auf dich zu
zu deiner blutenden bettstatt

ich bin gekommen
ich bin die ganze nacht
über die schwarzen wasser gefahren

ich gab dir mein herz
ist einen anker


schluss

schluß schluß
mit dem leichenleben
den toten tanz
ein ende

schluß schluß und
heraus aus der gruft

das leichenhemd ausgeschüttelt
den staub und die asche abgeklopft
ach gott
alle leute erschreckt

ja ja ich lebe


venice I

mit vollen händen
schenkst du deinen sommer mir
wir teilen am grunde des kelches
funkelnd den rest

auf löwenschwingen
reisen wir
in eine andere
welt
verzauberter steine
anmutig
tauchen paläste
in
zitternde spiegel
dunkles wasserband

halbes jahrtausend
durch schräge fluchten
fluchten
noch ungekannt

ruhen an deinem atem

ein heiliger text
mein leben
vom dasein selber gewebt

dein leben in meiner hand
zittert und wächst
immer kostbar

der blick auf
meinen edelstein,
dein auge

ruhen an deinem atem

in stille entsteht
seine gegenwart
wie tief ist der born 

deine nie versiegende quelle
in meinem inneren

nachtstill

wenn stürme
toben

 

Lyrik