nacht

die nacht ist ein schiff
wir steigen ein
fahren
zur anderen seite

wir träumen ein weilchen

und schon
rauscht der morgen an

dämmerung

eh das jahr

eh das jahr sich
weiß
dem ende neigt
stürzt sich
gold
vom großmächtigen ahorn
von der ehernen buche

gold
schüttet sich
auf uns herab
blatt um blatt
unter unsere füße

ein überfluß an licht
entzündet
häupter der bäume
jede krone ein feuer
loht in die blauesten
himmel

du kamst

du kamst in mein leben mit
allem
was du auch warst
deinem licht
deinem furchterregenden
schatten
wie ich dich wollte und brauchte

denke
nur ein winziger tropfen
von unseren leibern herab
speist eine hungrige erde
diese elende erde


nach haus

liebe
wie das morgenlicht
über hügeln
farben entfacht

ich liebe dich
wie die spinnerin
schafwolle
zerfasert
weben will

ich liebe
wie die mutter milch
ausgießt
in die becher
und es duftet
nach brot

ich liebe
wie der schritt
des vaters geht
auf dem kies
zu uns
nach haus


körper

unsere körper
sind die
wahren länder
wir gehen
einher auf
straßen
zu wasser
zu land

wir trinken aus klaren quellen

ich reise
zu dir
höre nicht auf
zu glauben

...
an deinem
herzen
stranden


ich weiß dass da einer

meine windrose weiß
da braucht einer meine liebe
ich habe einen ruf vernommen

sehnsucht
trug mich zu dir

komm

halten wir eine muschel
ans ohr und entschwinden

in einem augenblick

sonne verschüttet sich verschwenderisch

sonne
verschüttet sich
verschwenderisch
läuft  lachend
ein letztes mal
über den berg

kippt sich und
ihr strahlen ins tal
verglitzert den tag

verzaubert die gärten
macht dahlien trunken
entzündet das haupt eines hasels

sie schöpft und schöpft
schenkt weiden und erlen
buchen und eschen
großzügig
eine corona

vergoldet


venice III

auf löwenschwingen
reisen wir
in eine andere
welt
verzauberter steine
anmutig
tauchen paläste
in
zitternde spiegel
dunkles wasserband

halbes jahrtausend
durch schräge fluchten
fluchten
noch ungekannt

stunden

stunden
aus meiner hand
rinnt die zeit
ins glas der erinnerung
das nie bricht

sollten künftige wege
enden
brücken verbrennen
blicke ich

spiegelwärts



Lyrik